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Deutscher Mediationstag 06.03. bis 07.03.2015 in Jena Teil 2

Wenn einer nen Kongress besucht…

Deutscher Mediationstag 06.03. bis 07.03.2015 in Jena Teil 2

Den ersten Kongresstag schloss Arist von Schlippe, Psychologe, Psychotherapeut und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke auf hochspannende Weise: Er begleitete die Anwesenden auf eine Reise nach „Dämonistan“. Die Reise dorthin beginne, sobald das Gegenüber als „dumm, krank, böse“ bezeichnet werde. Konfliktparteien empfänden Hilfslosigkeit angesichts der damit erlebten Ungerechtigkeit. Je stärker das Ungerechtigkeitsempfinden sei, desto größer sei die Empörung (wie bei Kals). Jeder führe ein eigenes „Gerechtigkeitskonto“. Die intensiven Gefühle in dieser Phase und Tiefe eines Konflikts ließen „automatisch Gedanken (‚dangerous ideas‘)“ aufkommen, nämlich das Denken in Totalitäten wie Macht/Ohnmacht, Kontrolle oder Hilflosigkeit, Verschwörung und Heimlichkeit, die „Notwendigkeit der sofortigen Vergeltung“, allesamt polarisierende Perspektiven. Dies führe zu „fundamentalen Wahrnehmungsfehlern“ („ich gut, du böse“), zum „feindseligen Wahrnehmungsfehler: einmal böse, immer böse“, der tendenziell eine „selbsterfüllende Prophezeiung“ sei, der „viel zitierte ‚blinde Fleck‘“. Schlippe beschrieb den Konflikt als „Parasit“, der sich von den Kommunikationsstrukturen ernähre. Die Kultur des täglichen Umgangs erodiere. Der „Latenzschutz“ werde vom parasitären Konflikt „aufgefressen“. Schlippe stellte ausführlich fünf „Rückfahrkarten“ als Schutzmechanismen dar: Zunächst böte „Bewusstheit“ einen Schutz, die Fähigkeit, sich selbst zu beobachten, über sich und die Parteien in der dritten Personen zu sprechen. Alsdann wäre „Entschleunigung“ ein Ausweg. Auseinandersetzungen sollten aufgeschoben werden, freundlich unterbrochen. Das „kalte Eisen“ müsse „geschmiedet“ werden. Zum Dritten sei „Unvorhersehbarkeit“ (oder auch der „Schmetterlingseffekt“) ein probates Mittel, das einen Ausweg zeige. „Wenn etwas nicht funktioniert, dann mach etwas anderes.“. Womit könne das Gegenüber überrascht werden? Die vierte Möglichkeit stecke in „freundlichen Gesten“. Sie brächen das Eis, sobald sie ohne Vorbedingung gegeben werden. Das Wort „teilweise“ eröffne „neue Räume“, anders als die Worte „entweder“ und „oder“. Zuletzt könnte die „Unterstellung einer guten Absicht“ die Rückfahrkarte bergen. Man könne so daran arbeiten, die Gegenseite zu entdämonisieren. Diese „Fahrtkarte“ sei zudem eine besonders kostengünstige: „nichts ist so billig wie Vertrauen“.

 

Das persönliche Fazit des Autors:

Die Reise nach Jena hat sich gelohnt! Während des Mediationstages herrschte eine offene, freundliche, kommunikative und kooperative Arbeitsatmosphäre. Die Veranstaltungen boten viele neue Impulse für alle Seiten der Mediationspraxis und waren Forum für viele neue Kontakte mit anderen in der Mediation Tätigen.

Michael Eichhorn

erstellt am: 03.06.2015 von Jessica Fritsch